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Im Delirium auf der Bahnentour

Mit der «Bahnentour» hat Davos Klosters das spektakulärste Abfahrtserlebnis für Mountainbiker im Alpenraum geschaffen. Durch die Kombination aller Bergbahnen erschliesst die Tour 10‘000 Höhenmeter Abfahrten auf Singletrails. Sie ist der ultimative Kick für Enduro-Biker und wird nur von erfahrenen Bikern an einem Tag bezwungen.


Kein Problem, denn mit Davos Klosters Inclusive sind alle Bergbahnen gratis und Bike Hotels bieten besten Service für Biker. Walter Wyss hat die «Bahnentour» mit zwei Freunden geschafft – an einem Tag.

Schweissperlen kullern über die Stirn, das Atmen fällt auf der Höhe von 2500 Metern über Meer langsam schwer. Der Auftakt ist hart. Statt unbekümmerter Abfahrtsfreuden stosse ich mein Bike den steilen Weg auf das Chörbschhorn hoch. Der Gipfel ist der eigentliche Start der «Bahnentour». Hier ruhen wir uns ein letztes Mal aus. Weit unten liegt das Alpenstädtchen Davos, idyllisch eingebettet in die weitläufige Gebirgslandschaft. Weit am Horizont sind die Gletscher des Berninamassivs zu erkennen.

Quelle: davos.ch

Aufsehen in der Szene
 Bei der Lancierung letztes Jahr hat die «Bahnentour» international für Aufsehen in der Bike Szene gesorgt. Deshalb konnten auch wir nicht länger der Versuchung widerstehen, die fünfstellige Rekordmarke zu knacken. Bereits frühmorgens sind wir zur abfahrtsreichsten Bike tour der Welt angetreten. Fast 10‘000 Höhenmeter Singletrail Abfahrt werden wir bis am Abend bilanzieren. Auf dem Chörbschhorn bleibt deshalb keine Zeit für Musse. Um die 85 Kilometer in einem Tag zu bewältigen, müssen wir den Zeitplan einhalten. Schnell ziehen wir die Knieschoner über, die Handschuhe an und senken den Sattel ab. Der ersehnte Spass beginnt. Die Abfahrt zur Stafelalp erfordert volle Konzentration, der Trail schlängelt sich steil durchs Gelände. Die Hände beginnen zu schmerzen und im Rücken sind leichte Verkrampfungen zu spüren. Die Abfahrt ziehen wir ohne Stopp durch. Schliesslich erreichen wir Glaris und hängen unsere Bikes an die Haken der Rinerhorn-Gondeln. Schon nach diesem Abschnitt wird uns klar: Die «Bahnentour» ist keine gemütliche Sonntagsausfahrt sondern eine sportliche Höchstleistung. Wer die Bergwelt geniesst, gerne einen Fotostopp einlegt oder zwischendurch die Muskeln lockert, der sollte zwei Tage für die Bahnentour einplanen. Um den straffen Zeitplan einzuhalten, darf man keine Gondel verpassen. Für Erholung und Verpflegung nutzen wir die Bahnfahrten.

Abenteuer für Enduro-Bikes
Nach der Bergstation Rinerhorn führt der Trail leicht berghoch. Trotz des Abfahrtsrekordes ist die «Bahnentour» keine reine Downhill Route. Immer wieder sind kleine Anstiege auf Singletrails nötig, insgesamt immerhin 1375 Höhenmeter. Mit schweren Downhill-Bikes und in voller Montur wäre die «Bahnentour» eine Tortur. Enduro-Bikes sind die ideale Wahl, weil mit diesen Rädern problemlos Aufstiege bewältigt werden und der üppige Federweg in den Abfahrten die Kraftreserven schont. Wir tragen neben dem obligaten Helm auch Knieprotektoren, um bei Stürzen über einen minimalen Schutz zu verfügen. Kurz nach elf Uhr sind wir zurück in Davos. Es bleibt uns eine Stunde, um mit der Parsennbahn das Weissfluhjoch zu erreichen und über den Strelapass zurück zur Talstation Parsenn zu gelangen. Der offizielle Trail vom Strelapass zur Strelaalp führt entlang der Strecke Graubünden Bike 90 über eine knifflige Schotterstrasse. Zurück in Davos schnappen wir nochmals die Parsennbahn und sind flugs darauf mit der schnellsten Standseilbahn von Europa auf dem Weissfluhjoch. Die vierte von insgesamt acht Abfahrten steht uns bevor: ein fast 14 Kilometer langer Singletrail hinunter nach Klosters. Nicht weniger als 1500 Höhenmeter werden dabei vernichtet, es ist die längste Abfahrt der «Bahnentour». Die Abfahrt führt über den Meierhof-Trail zum Wolfgangpass, den die Bergbahnen vor zwei Jahren extra für die Mountainbiker ausgebaut haben. Die Kurvenradien sind vergrössert, schwierige Stellen «verflüssigt» und sogar Zaunübergänge gebaut. Dieser Trail bietet Abfahrtsspass der Spitzenklasse. Auf einem kleinen Podest machen wir einen kurzen Halt und werfen einen Blick zurück. Wo gibt’s diese Quantität und Qualität an Singletrails? Die meisten Trails setzen ein gutes Mass an Fahrtechnik und Erfahrung voraus. Wer diese Skills mitbringt, heult vor Freude auf der «Bahnentour».

Der Erfinder der Bahnentour
In Klosters steht Bahntransport Nummer fünf mit der grossen Gondel zum Gotschnagrat an. Wir liegen haargenau im Zeitplan. In der Bahn treffen wir zufällig auf Thomas Giger, der Entwickler der «Bahnentour». Er gesteht uns, dass nur wenige Mountainbiker die ganze «Bahnentour» an einem Tag schaffen. Viele würden die anspruchsvollen Abfahrten unterschätzen und ihr Können überschätzen. Spontan begleitet er uns auf den beiden anstehenden Abfahrten vom Gotschnagrat. Wir hängen uns an sein Hinterrad und schiessen ins Tal. Durch einen Märchenwald flitzen wir bergab. Der Trail ist angelegt, als wären die Bäume Slalomstangen. Wir schaffen es tatsächlich, uns von Giger nicht abhängen zu lassen. Er kennt hier jede Wurzel, jeden Absatz und jede Kurve. Wie eine Katze flitzt er über den Trail, wir folgen ihm einige Meter dahinter – ausser Atem. Später erklärt Thomas Giger, wie ihm die Idee zur «Bahnentour» gekommen ist. In seinem Wohnort Davos transportieren alle sechs Bergbahnen im Sommer Bikes: «Ich habe einfach von jedem Berg meine Lieblingsabfahrt ausgewählt und einen Zeitplan ausgeklügelt. Am Ende ergab sich die Bahnentour mit fast 10‘000 Höhenmetern». Vom Gotschnagrat hinunter zur Schwarzseealp hängt uns Giger in den technischen Passagen seiner Lieblingsstrecke ab. Die Landschaft ist wunderschön, die Kräfte schwinden und unsere Fahrfehler häufen sich. Gegen 16 Uhr wechseln wir zum Schlussbouquet auf die Madrisa. Mit der Abfahrt von der Bergstation zurück nach Klosters steht die technisch schwierigste Passage an. Zweimal müssen wir das Bike einige Meter durch happige Schlüsselstellen schieben. Schliesslich besteigen wir zum achten und letzten Mal eine Gondel. Auf dem Weg nach oben futtern wir unsere letzten Kraftriegel und Energydrinks. Die Schlussabfahrt nach Küblis steht an. Der 1000-Höhenmeter-Trail ist nicht allzu schwierig, aber wegen der Müdigkeit der gefährlichste Teil der «Bahnentour». Ausgelaugt kurven wir über den Trail, Fahrfehler und Ausrutscher sind nicht mehr zu vermeiden. Für die letzten Abfahrtsmeter nehmen wir statt des Singletrails ein asphaltiertes Bergsträsschen: Flasche leer, wir können nicht mehr!

Mit Gotschna Freeride über 10‘000 Höhenmeter
Erschöpft erreichen wir den Bahnhof Küblis, doch das Gefühl ist einmalig: Wir haben die ganze «Bahnentour» tatsächlich geschafft. Fasziniert blicken wir auf unser GPS-Gerät. 9710 Höhenmeter Abfahrt zeigt dieses an. Wenn am 1. Juli 2011 die Freeride Piste von Gotschna nach Klosters eröffnet, dann knackt die „Bahnentour“ die 10’000-Höhenmeter-Marke endgültig. Am Boden sitzend erinnern wir uns an den frühmorgendlichen Aufstieg aufs Chörbschhorn. Uns scheint, als wäre dies bereits mehrere Tage her – so viele Singletrails und Erlebnisse liegen dazwischen. Die «Bahnentour» ist tatsächlich eine Rekordtour am Limit des Möglichen. Im Zug nach Hause schlafen wir vor Erschöpfung sofort ein. Ich träume von der «Bahnentour». Dieses Mal aber in zwei Tagen, ohne Marschtabelle und ohne fliegende Verpflegung. Dafür mit Beizenstopps, Schwatzpausen und Abendprogramm. Was für ein schöner Traum! 

Tipps für Bahnentour

  • Wer in Davos Klosters übernachtet, kann mit der Gästekarte Davos Klosters Inclusive die Bergbahnen gratis benutzen.
  • Die Tageskarte für Biketransport kostet 10 Franken.
  • Es empfiehlt sich, die «Bahnentour» unter der Woche zu fahren. Wanderer und Biker benutzen die gleichen Wege.
  • Trail-Toleranz heisst, die Fahrweise anpassen und einzelne Verbote zu respektieren.
  • Ab Juli 2011 ist in Klosters die Gotschna Freeride Piste offen. In Davos öffnet im Adventure Park Färich ein Bike Park.
  • 600 km Biketrails in der Singletrail Map Davos Klosters. Elf Touren sind vollständig ausgeschildert.
  • Singletrail Paradies Davos Klosters bietet 10 Bike Hotels und sechs Bike Shops.

Verfasst von fahrbar am 19. September 2011 - 18:35

 

 

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